MIVA-Beispielland 2017 – Demokratische Republik Kongo

Die MIVA ist seit Jahrzehnten im Kongo engagiert. Einer ihrer beständigsten Partner ist Salesianerpater Johann Kiesling, der seit 1982 im Kongo als Missionar im Einsatz ist. Von seiner Missionsstation in Kipushi aus betreut er gemeinsam mit drei Mitbrüdern 40 Dörfer in der Umgebung. Die Salesianer Don Boscos, die sich traditionell für Kinder und Jugendliche einsetzen, betreiben neben ihren Schulen auch ein Projekt für Straßenkinder in Lubumbashi. Bei all dem sind MIVA-Autos nicht wegzudenken.

Kenner halten das riesige Land für unregierbar. Immerhin ist es mit 2,3 Millionen Quadratkilometern ca. 27 Mal so groß wie Österreich. Es gibt nur 3.000 km asphaltierte Straßen (in Österreich sind es 133.000 km), über weite Strecken fehlen aber Straßen komplett. Der Kongo-Fluss ist daher mit 4.700 km einer der wichtigsten Verkehrswege.

Die Geschichte des Kongo ist die einer besonders grausamen Kolonisation. Mit seinen enormen Bodenschätzen hat der Kongo immer schon Begehrlichkeiten geweckt. Dazu kam ab den 1880er-Jahren der durch die Serienreife des Automobils ausgelöste Kautschukboom. Der durch Sklaverei und Zwangsarbeit florierende Wirtschaftszweig brachte den Europäern saftige Gewinne – und entsetzliches Unheil über die afrikanische Bevölkerung. Tötungen, Verstümmelungen, Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Viele starben bei der schweren Arbeit auf den Bäumen. Insgesamt geht die Forschung davon aus, dass zwischen 1888 und 1908 etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung ums Leben kam, und zwar zwischen acht und zehn Millionen Menschen.

1960 wurde der Kongo unabhängig, fand aber keinen Frieden. Der charismatische Ministerpräsident Patrice Lumumba war als Sozialist im Visier des amerikanischen und belgischen Geheimdienstes. Schon im September 1960 wurde er entmachtet und bald darauf ermordet. General Mobutu Sese Seko putschte 1965 und errichtete eine lang andauernde Diktatur. 1997 wurde er im Zuge der Ruanda-Krise von Rebellen unter Laurent-Désiré Kabila entmachtet (Erster Kongokrieg). Den Zweiten Kongokrieg (1998 bis 2003), an dem acht afrikanische Staaten beteiligt waren, nennt man bisweilen auch den „Ersten Afrikanischen Weltkrieg“. Und noch immer stehen Rebellengruppen unter Waffen. Aber auch die darniederliegende Infrastruktur macht es jeder Zentralregierung schwer, ihre Politik in den Süd- und Ostprovinzen durchzusetzen.

Joseph Kabila gilt als der erste Präsident des Kongos, der zu Verhandlungen und Interessenausgleich bereit ist. Im Februar 2013 unterzeichnete er in Adis Abeba eine Friedensvereinbarung, in der elf Staaten der Region erklärten, sich in Zukunft nicht mehr in Konflikte ihrer Nachbarn einmischen zu wollen. Damals sagte Kabila: „Es ist Zeit, den Menschen in unseren Ländern endlich ihr Recht auf Leben zu garantieren.“

Aber der Präsident ist alles andere als unumstritten. Kritiker werfen ihm vor, er habe sich an Rohstoffen des Landes persönlich bereichert. Zudem unternimmt er alles, um über die von der Verfassung vorgesehene Frist hinaus im Amt zu bleiben. Zuletzt forderten Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Kinshasa zahlreiche Todesopfer. Tritt Kabila nicht freiwillig ab und gibt den Weg zu demokratischen Wahlen frei, drohen dem Land einmal mehr schwere Unruhen.

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