Marorisang’s Geschichte

Marorisang Souro hatte als Kind einen Unfall. Sie war beim Fangenspielen mit ihren Freundinnen, als die damals 8-Jährige sich vorbeugte und plötzlich einen stechenden Schmerz im Knöchel fühlte, -leider mehr als eine Verstauchung. Die Eltern von Marorisang Souru hätten ihre Tochter am liebsten zum Arzt geschickt, doch es fehlten die nötigen finanziellen Mittel für einen Spezialisten. Dies hatte zur Folge, dass die Knochen nicht wieder richtig zusammen wuchsen. Der Fuß stand ab und seither benötigt die heute 41-jährige eine Krücke zum Gehen. Obwohl sie Klassenbeste war, war sie gezwungen, die Schule abzubrechen – der Schulweg wurde zur unüberwindbaren Hürde. Dennoch hat sie es dank ihrer Ausdauer, ihrer Geschicklichkeit und einem Hilfsprojekt geschafft auf eigenen Füßen zu stehen.

Heute stellt ihre Geschichte aber keine Einschränkung mehr für Marorisang dar, sie absolvierte eine Ausbildung zur Schneiderin und wenn sie jetzt bei sich zuhause Gäste empfängt, sprüht sie förmlich vor Lebensfreude. Mit Stolz zeigt sie die traditionellen Kleider und Gewänder, die sie aus farbenfrohen Baumwollstoffen gefertigt hat – Kleider, Röcke und passende Kopfbedeckungen – so bunt wie Marorisangs Leben.

Gehilfenprojekt in Lesotho

Die MIVA unterstützt gemeinsam mit der Diakonie Österreich ein Gehhilfenprojekt der Organisation LNFOD in Lesotho. Die Organisation LNFOD (Lesotho National Federation of Organisations of the Disabled) unterstützt ihre Mitglieder für ein unabhängiges Leben. Die meisten Angestellten leben selbst mit einer Behinderung. Menschen mit Behinderung in Lesotho gehören zu den am stärksten marginalisierten und benachteiligten Gruppen des Landes. Ein Drittel davon sind Kinder unter 15 Jahren. Die LNFOD ist in 5 Bezirken Lesothos tätig und setzt sich für die Inklusion und die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung ein. Außerdem werden Menschen mit Handicap bei der Ausbildungssuche unterstützt und erhalten finanziellen und emotionalen Rückhalt.

Herausforderungen für Menschen mit Behinderungen

  • Bildung
    Das derzeitige Bildungssystem ist nicht auf die Bedürfnisse behinderter Menschen ausgerichtet. Die schulische Infrastruktur ist für Menschen mit körperlichen und visuellen Beeinträchtigungen oft nicht zugänglich, z.B. sind die Klassenzimmer nach wie vor über Treppen statt über Rampen zu erreichen. Es mangelt an Lehrenden mit Kenntnissen in Blindenschrift und Gebärdensprache, somit sind taube und sehbehinderte Schüler vom Unterricht ausgeschlossen. Die stärkste Barriere für beeinträchtigte Schüler ist jedoch die diskriminierende Haltung der Gesellschaft und des Bildungssektors, die viele behinderte Lernende dazu veranlasst, die Schule abzubrechen und auf Schulbildung zu verzichten.
  • Beschäftigung
    Der eingeschränkte Zugang zu Bildung und die Diskriminierung durch Arbeitgeber in einem Land mit ohnehin sehr hoher Arbeitslosenquote bedeuten, dass es für Menschen mit Behinderungen äußerst schwierig ist, eine Beschäftigung zu finden. Da es wenig sozialen Schutz für Menschen mit Behinderung gibt, schätzt die LNFOD, dass mehr als 65% der behinderten Menschen für ihren täglichen Lebensunterhalt von ihren unmittelbaren Familien und Nachbarn abhängig sind.
  • Gesundheit
    Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist einer der wichtigsten Faktoren im Leben eines Menschen. Diejenigen, die in abgelegenen Gebieten Lesothos leben, müssen weite Wege zurücklegen, um die nächste Gesundheitseinrichtung zu erreichen, oft zu Fuß und über unwegsames Gelände. Für Personen mit Handicap ist der Zugang zu Gesundheitsdiensten ein noch größerer Kampf, der manchmal den Transport mit Hilfe eines Ochsenkarrens erfordert.