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Antworten von Sabine Mantsch – HORIZONT3000 Office in Kampala – Uganda (Mitte April 2020)

          Bitte beschreiben Sie kurz die aktuelle Situation in Ihrem Land Uganda.

In Uganda sind seit 17.3. die Kindergärten,  Schulen und Ausbildungsinstitutionen geschlossen. Am 22.03.2020 wurde der erste COVID-19 Fall positiv getestet. Am selben Tag wurde das Schließen der Grenzen kommuniziert und der Flugverkehr – von einzelnen sogenannten Emergency-Rückholflügen abgesehen – eingestellt. Seit 31.3. ist das Land im de facto lock-down, zu Fuß gehen und Radfahren ist dem Normalbürger erlaubt. Von 19:00-06:00 ist eine Ausgangssperre verhängt. Fahrzeuge von sog. Essential Services (Health, Security, Police, Financial Institutions, Media, Food, Telecoms, Government) dürfen mit sog. Exemption Stickers fahren. Motorrad-Taxis dürfen bis 14:00 cargo zustellen. Bezirksgrenzen dürfen nur mit Sondergenehmigungen der local authorities passiert werden.

–          Sind die Auswirkungen von COVID-19 in Ihrem Umfeld bereits spürbar?

HORIZONT3000 hatte noch bis zum 31.3. ein Mini-Team für die Business-kritischen Prozesse im Office. Alle anderen Kollegen sind seit 23.3. im Home Office. Der Lock-down wird nach aktuellem Wissenstand noch bis 05.05.2020 dauern. Daher können seit dem travel ban auch keine Partner und Monitoringbesuche mehr stattfinden. Wir sind im Moment mit allen Implementierungspartnern in einer Neuplanungs-Phase.

–          Sind bereits alle Menschen in Ihrem Land ausreichend über die Gefahren von COVID-19 informiert?

Ministry of Health und der Präsident sowie diverse Medienkanäle leisten gute Aufklärungsarbeit. Fake news sind ein großes Problem wie sonst auch überall.

–          Wie reagiert die Politik in Ihrem Land auf die aktuelle Situation?

Uganda hat aufgrund der früheren Ebola Ausbrüche und anderer Infektionskrankheiten prinzipiell gutes Vorwissen, wie damit umzugehen ist und hat (siehe oben) sehr rasch Maßnahmen gesetzt. Aktuell wurden 6.661 Tests durchgeführt, 55 positiv, 8 davon recovered, 0 Tote.
Die Testkapazitäten und – kosten sind aber definitiv ein Problem. Patient 0 war von Dubai gekommen – daher die drastischen Maßnahmen mit Grenzschließungen und Contact tracing.

–          Was sind Ihrer Meinung nach die größten aktuellen Herausforderungen?

Testkapazitäten, fake news, Schutzausrüstungen für medizinisches Personal, wenn die Fallzahlen exponentiell steigen sollten (wie in vielen anderen Ländern) und zahlreiche schwere Krankheitsverläufe kommen – Stichwort Intensivbetten. Last but not least die Sicherheitssituation im Land, da die unzähligen Tagelöhner seit Wochen kaum oder kein Einkommen haben und die Essensausgabe seitens der Regierung naturgemäß nicht in der kurzen Zeit gerecht und flächendeckend von Statten gehen kann.

Das Gesundheitsministerium koordiniert alle COVID-19 Maßnahmen und auch die Spenden in kind und monetär. Informationen darüber erscheinen transparent.

–          Sehen Sie eine Chance die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten?

Das wird sich für Uganda in den nächsten 3 Wochen des Lock-down zeigen.

–          Ist das derzeitige Gesundheitssystem einer solchen Herausforderung gewachsen? Welche Unterstützung gibt es in diesem Bereich?

Nur bedingt, daher die strikten Maßnahmen zu so früher Zeit. Unterstützung monetär und in kind kommt von Unternehmen, Privatpersonen, anderen Staaten, Individuen wie zB Jack Ma, etc…

          Wie wichtig ist „Mobilität“ in Zeiten dieser Krise für Sie und Ihr Umfeld?

Da wir als internationale NGO nicht zu den essential Services gehören, ist sie für uns als HORIZONT3000 Ostafrika im Moment nicht so wichtig. Beim Bekämpfen der Krise ist  Mobilität hingegen absolut wichtig, was Regierung, Gesundheitsministerium und Organisationen im Health- und Food-Bereich auch unaufhörlich betonen.