Hans Humer 1

Missionar Hans Humer in Tansania

Händewaschen in Tansania

Händewaschen in Tansania

Mag. Hans Humer ist Missionar in der Diözese Kayanga in Tansania (Ende April 2020):

Anbei einige Infos, wie sich diese Krise derzeit bei uns in dieser Grenzgegend zu Uganda und Ruanda auswirkt. Grundsätzlich ist es für die Menschen hier gut, dass Präsident John P. Magufuli noch nicht einen totalen ‘lock-down’ verfügt hat – dieser würde hier die Menschen vor zwei Alternativen stellen: Entweder durch Covid19 oder durch Hunger zu sterben. In der Stadt Kayanga allein leben sicher zwischen 600 bis 800 Menschen allein von der ‘Hand in den Mund’ – d.h. sie sind auf ein tägliches kl. Einkommen angewiesen, von dem sie sich zumindest ein Essen kaufen können. Der Staat würde bei einem kompletten ‘lockdown’ diese Menschen finanziell und anfangs wahrscheinlich auch vom Organisatorischen her gesehen, nicht ernähren können. Trotz der großen Gefahren der Weiteransteckung ist dies also derzeit die Realität, in größeren Städten wäre die Lage dann um vieles schlimmer, da es um vieles mehr Menschen betreffen würde. … Wir hatten vor gut zwei Wochen ein Krankenhausvorstandstreffen in Bushangaro, das an der Grenze zu Ruanda liegt.  Dort erzählte uns ein Regierungsverantwortlicher, dass derzeit vereinzelt Ruandesen aufgegriffen werden, die trotz der geschlossenen und gesicherten Grenzen und dem Sumpf- bzw. Nationalparkgebiet des Kagera-Flusses, dort über die Grenze wollen, da sie großen Hunger leiden. Der Staat gibt zwar an Familien Nahrungshilfen weiter, aber die reichen oft für die sehr kinderreichen Familien nicht. Somit sehen sie als einzige Alternative die ‘Flucht’ über den gefährlichen Fluss- und Sumpfweg der Grenze, sozusagen in der Hoffnung, hier wenigstens überleben zu können. Einzelne haben diese bereits nicht überlebt.

Nun ein paar Zeilen allgemein zur Situation in Tansania:  Die Covid-19 Pandemie ist hier in Tansania in aller Munde – derzeit steigt leider auch in Tansania die Anzahl der Infizierten (dzt. 299, davon 241 aktiv, 10 Verstorbene, 48 wieder Genesene – siehe > www.covidvisualizer.com ) – der Großteil davon lebt in den großen Städten wie Dar, Arusha, Mwanza … – nachdem Tansania keinen totalen ‚lockdown‘ hat, ist dies eine Gefahr, dass über Reisende innerhalb des Landes, diese den Virus verbreiten können. Es gibt aber überall Kontrollen, Desinfektionen – v.a. der Busse, Beschränkungen der Anzahl, der Abstände, alle Schulen sind geschlossen, Händewaschpflicht, usw… Wir hoffen, dass es nicht noch schneller mit den Infektionen aufwärts geht, denn das würde weitere Einschränkungen und wahrscheinlich auch mehr Tote bedeuten. Und die Lage in den Spitälern hier ist ja nicht gut, es gibt z.T. nur Isolierräume, aber kaum bis keine Sauerstoff- bzw. Atemgeräte, Intensivbetten, Messgeräte und z.T.  kaum geeignete Medikamente zur Behandlung solcher schwerer Lungenkrankheiten.

Ostern konnten wir (noch) mit unseren Gläubigen feiern – dies tat wirklich gut. Derzeit werden die Mitfeiernden auch hier weniger aufgrund der Angst, die sich immer weiter verbreitet. Bischof Severin in Rulenge- Ngara hat den Messbesuch für das nächste Monat den Gläubigen untersagt, auch die evangelische Dioezese Karagwe unter Bischof Bagonza hat dies verfügt. In Kayanga und den anderen Diözesen ist dies (noch) weiterhin möglich, mit den Einschränkungen des Abstandes, des Händewaschens, des tropfenden Weihwassers, der Handkommunion, usw.. Am 23. April  feierten wir so die Gedenkmesse an den Hl. Georg,  den Patron der Pfarre Kayanga, sowie auch die Messen an den Sonntagen nach Ostern in der Pfarre selbst, wie in den Außenstellen.

Hoffend, dass mit Ende der großen Regenzeit im Mai auch hier die Lage sich bessern wird, es ist ja dann wieder viel mehr sonniger und wärmer. Inzwischen versuchen auch viele mit Naturheilmethoden, Obst, Zitronen  … ihre Immunität zu stärken – z.B. durch ein saunaartiges Dampfbad mit einer über den Kopf gezogenen Wolldecke über einem mit Kräutern kochenden Kochtopf.

Die Schließung der Schulen betrifft auch die Seminare mit unseren Priesterseminaristen (4 Seminare für die Ausbildung des Diözesanklerus in ganz Tz: ein fünftes wird im Oktober in der Diözese Kahama eröffnet)-  derzeit 40 aus unserer Diözese Kayanga.  Zwölf sind im Präpodeutikum in Chabalisa, diese sind weiterhin dort. Die anderen sind zurück in den Pfarren. Dort leben sie mit den Priestern mit. Diese Woche (und ev. auch nächste Woche) will unser Bischof Almachius, dass sie alle, ausgenommen die Präpodeutiker, in zwei Gruppen in die Diözesan- Zentren von Kayanga und Bugene kommen und hier bei verschiedenen Arbeiten auf den Feldern bzw. beim Bäume-Pflanzen, sowie Unkraut jäten, ist hier alles Handarbeit, helfen. Es braucht also erneut dazu das Organisieren des regelmäßigen Essens, sowie des Transportes zu / von den Feldern. Dadurch möge also der Bezug zur Diözese und zum Bischof, der auch ein guter Gärtner ist, wachsen.

Soweit also einige Zeilen zur Lage und zu diversen Auswirkungen der Korona-Krise bei uns in der Diözese Kayanga sowie in Gesamt- Tansania.

Verbleibe mit dankbaren und herzlichen Grüßen aus Kayanga. Wünsche allen Gesundheit, Gottes Segen, und einen schönen Monat Mai, dessen Wärme hoffentlich auch den Covid19-Corona-Virus zurückdrängen wird.

Missionar Mag. Hans Humer