Sumba - Indonesien

Sind die Auswirkungen von Covid-19 in Ihrem Umfeld bereits spürbar?

In direkter Weise nicht, da es keine  offiziell an diesem Virus erkrankte Menschen  gibt.  Aber auf  den Straßen ist es ruhiger, weil  die Menschen doch überwiegend zuhause bleiben.

Indirekt natürlich wohl, durch:
> Ja, als  Vorsichtsmaßnahme die Schließung der Schulen und Büros…

> Die Schließung der Flug-und Schiffshäfen

> Die Rückkehr von vielen Sumbanesen, die in Singapur und auf den anderen Inseln Indonesiens arbeiten. Das sind bis jetzt 3.084 Menschen.  Die Sumbanesen haben Angst, dass ihre  Angehörigen möglicherweise  das Virus  von außerhalb mitbringen könnten.>Alle Rückkehrer haben jetzt keine Arbeit. Früher haben sie ihre Familien zuhause mit ihrem Lohn unterstützt, jetzt müssen sie selber von ihren Familien  „ernährt“ werden.  Das schafft Probleme, zumal auch auf Sumba  nicht wenige Menschen ihre Arbeit verloren haben und sie ohnehin Mühe haben, von ihren eigenen Erträgen zu leben.

Sind bereits alle Menschen in Ihrem Land ausreichend über die Gefahren von COVID-19 informiert?
In den größeren Dörfern mit einer guten Infrastruktur kann  man sagen ja.  Aber nicht in den abgelegenen Dörfern.

Wie reagiert die Politik in ihrem Land auf die aktuelle Situation?

Schaut man in die Medien, kann man einen guten Eindruck von der Reaktion der Politiker gewinnen.  Was nun Sumba betrifft:
Ost-Sumba:  Für die Dauer von drei Monaten wurden den bedürftigen Familien je 60 kg Reis und 150.000,–Rp  gegeben.
West-Sumba: 100 Tonnen Reis wurden insgesamt an jene Familien verteilt, die keine gute Ernte zu verzeichnen hatten, deren  Mitglieder Arbeit verloren haben bzw. zuhause bleiben müssen bis die Epidemie vorüber ist.
West-west-Sumba gibt 50 Milliarden Rupien für die Überwindung  dieser Epidemie aus:
24.183.439.962,–Rp  für den Gesundheitsbereich
2.252.686.000,–Rp   um die negativen Auswirkungen der Epidemie abzufangen:  d.h. vor allem Reis geben für  die Arbeitslosen und deren Familien..
3.761.009.000,–Rp für die Schaffung eines sozialen Netzwerkes (Polizei, Militär und  Gesundheitsbeauftragte arbeiten zusammen zum Zwecke der Aufsicht,  Aufklärung, Test, Meldepflicht … überall…). Nach Angaben  der Regierung standen 114 unter Beobachtung, aber niemand war  an diesem Virus  tatsächlich erkrankt.

Offiziell wird in den Medien positiv über die Maßnahmen der Regierung berichtet.  Andere Quellen – Gruppierungen in der Gesellschaft die sich  um die Gesundheit der Menschen  sorgen und deswegen selber aktiv werden-  meinen,  die Regierung ist zu spät  und geht nicht bis in die abgelegenen Dörfer.   Die Beauftragten  gehen nicht wirklich zu den Menschen.  Sie versammeln sich an einem Ort, unterschreiben dass sie da waren, bekommen Essen und einen Tageslohn (Siehe das Foto mit dem Zelt im Anhang!).  Es gibt keinen klaren Arbeitsplan. Die Aufgaben  der Regierung sind zu wenig transparent und nicht gut organisiert.  Die Anstrengungen der  Vorsichtsmaßnahmen/ Vorrichtungen (Bestellung von Masken, Handschuhen,  Seife, …..), dieser Prozess begann  viel zu spät.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen. ?
In der Kultur der Sumbanesen ist es schwierig, z.B. das Versammlungsverbot durchzuführen. Die Eltern und Kinder bleiben vielleicht zu Hause. Aber das Haus ist zumeist eine Hütte, und das Leben spielt sich draußen ab, wo alle wieder zusammenkommen.

> Vor allem bei Beerdigungen kommen Hunderte bis zu Tausend Menschen zusammen. Man kann kaum verbieten, dass die Menschen Abschied nehmen von ihrem Verstorbenen. Nur in den Gesellschafts-schicht der Lehrer und Angestellten ect. – die besser um die Gefahr dieses Virus wissen – ist das möglich, aber kaum  in den Dörfern.
>Der Nasenkuss gehört so sehr zur Kultur der Menschen, dass man ihn zwar verbieten kann, aber praktisch nicht durchführbar.  Das geschieht einfach zu spontan,  wenn z.B. Angehörige aus Singapur….heimkommen.
>Hygiene (viel Wasser und Seife) ist notwendig und richtig, wird auch so vermittelt. Aber wie ist es in den abgelegenen  Dörfern, wenn kaum Wasser und Seife vorhanden ist?   Aufgrund dieser Tatsache haben die Menschen auch kein Gespür für Hygiene.  Das kann man aber  nicht in  einem  Besuch vermitteln.  Eine  solche Aufklärung können diese Menschen  einfach nicht ernst nehmen.  Und so wissen  sie auch nicht  um die Gefahr dieser Erkrankung.
>Es gibt in vielen Dörfern noch keine Elektrizität und noch weniger ein Internet. Aber auch kein Radio. So gibt es nur die  „Mund-zu-Mund“ Information mit allen    Die Aktivitäten/Maßnahmen der Regierung reichen  nicht bis in diese Dörfer hinein.  Dabei ist es nicht ungefährlich, wenn gerade aus  diesen armen Dörfern  ein  „Heimkehrer“  aus z.B. Sumatra kommt und möglicherweise dieses Virus mitbringt.
>Nachdem nicht wenige  „Heimkehrer“  ihre Arbeit verloren haben, können sie nicht nach Sumba zurück weil  die Flug-und Schiffshäfen  geschlossen sind.  Da bleibt ihnen nichts anderes übrig als  mit  „Booten und Bötchen“  3- 4 Tage von Bima und Flores übers Meer zu fahren  und irgendwo am Strand auf Sumba anzukommen.  Insider kennen  diese  „alternativen Anlegestellen!“  Und was bringen sie mit?  Und wer kontrolliert das?

Aber auch die Studenten außerhalb von Sumba kommen heim, weil es keine Vorlesungen mehr gibt, nur noch online.

Sehen Sie eine Chance, die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten?

Bis jetzt sieht die Situation ja noch ganz gut aus.  Aber wenn die Epidemie wirklich ausbrechen sollte, dann sieht es mit der Kontrolle nicht mehr so gut aus. Die Krankenhäuser sind nicht gut ausgerüstet für diesen  Fall: Es gibt kein gutes Laboratorium mit entsprechenden  Mikroskop/ Geräten, es gibt keinen Facharzt z.B. für  Lungenkranke,  die Ausstattung (Kleidung, Maske….) ist nicht ausreichend,   Anweisungen  von der Regierung sind nicht konsistent, (mal verbieten sie, mal genehmigen sie…),  der Gesundheitsminister spricht nicht selber sondern lässt andere reden.
So haben sich  aus der Gesellschaft  Initiativen/Gruppierungen gebildet, die diese ganze Entwicklung mit ihren  Gefährdungen im Blick hat und ihrerseits tut, was sie tun kann:  z.B.  Aufklärung  in den entlegenen  Dörfern mit selbst gemachten Plakaten,  Vergabe von Mundschutz, Vitaminen ect.  Sie suchen selber nach Donatoren um solche Maßnahmen durchführen zu können.
Auch unsere  Schwestern beteiligen sich daran.  Wie die Weltmeister nähen sie z.B  Kittel für die Ärzte und Masken.  Es ist erfreulich zu sehen, dass man sich nicht nur auf die Regierung verlässt sondern selber aktiv wird.

Wie wichtig ist „Mobilität“ in Zeiten dieser Krise für Sie und Ihr Umfeld?

Die Begrenzung der „Mobilität“ verhindert  die Entwicklung auf Sumba im Bereich Bildung, Ekonomie und Handel,  Baugewerbe.
Kinder und Studenten können nicht einfach „online“ lernen oder studieren, weil die meisten keinen Zugang dazu haben.  Dozenten von den anderen Inseln haben Sumba verlassen bis zum Ende der Krise.  Fachleute von den anderen Inseln können/dürfen  nicht kommen. Das Baugewerbe und überhaupt Ekonomie und Handel stagniert.  Die Frachtschiffe und  Fracht-Flugzeuge kommen nur sehr sporadisch. Alles ist sehr unsicher.  Die Gefahr dabei ist, dass die Sumbanesen wieder in ihre Gewohnheit  des   „laisi fair“ (kommst du heut nicht kommst du morgen)  zurück verfällt.  Die mühsam aufgebaute Disziplin  leidet darunter.  Nach der Epidemie werden  sich alle anstrengen müssen,  zu einer gewissen Disziplin  zurückzukehren.