P. Aloysius Maria Benziger, Indien

Bericht von Aloysius Maria Benziger aus Indien, Diözese Kottar  (7.April 2020)

Herzliche Grüße aus Indien.

Über Ihre Mail mit Nachfragen haben wir uns, der Bischof und ich, sehr gefreut. Vielen Dank für diese Solidarität und Verbundenheit.

Seit 24. März hat die Zentralregierung in New Delhi eine Ausgangssperre im ganzen Land verhängt. Alle kleine Läden, Handwerksbetriebe, Bauarbeiten, Landwirttätigkeiten, Fischen usw. sind zum Stillstand gekommen. Aber kleine Lebensmittelläden, Märkte und Krankenhäuser sind auf.

Davon sind zahlreiche Menschen und insbesondere die Armen, Tagelöhner, Migrantenarbeiter, Landwirte, Fischer usw. sehr betroffen. Solche Gruppen haben keine Arbeit und sie sind mittellos. Hunderttausend von Migranten wollten nach Hause fahren, aber es gab keine öffentlichen Fahrtmöglichkeiten, deshalb sind sie alle auf der Straße gestrandet.

Als die Ausgangsbeschränkungen innerhalb von wenigen Stunden verhängt wurden, waren die Menschen mit Lebensmittel und anderen notwendigen Dingen nicht versorgt. Von da her müssen die Menschen unterwegs sein, um Notwendiges zu besorgen, wodurch ist der Sinn der Ausgangssperre bedeutungslos geworden ist.

Da die Häuser in zahlreichen Dörfern und in Städten klein sind, empfinden es die Männer unerträglich, den ganzen Tag zu Hause zu bleiben. Deshalb entstehen überall Zusammenkünfte von Männern. Diese Situation ist im Küstenbereich sehr stark. Trotz des Eingreifens der Polizei ist die Lage nicht unter Kontrolle.

Die katholische Kirche bei uns bemüht sich sehr, ihre Gläubigen über die Gefahr zu informieren, sie zum Umdenken zu bringen und zu motivieren, den verhängten Regelungen zu folgen. In unserer Diözese z. B hat der Bischof einen Hirten Brief geschrieben und jeden Tag wird Gottesdienst im Ordinariat gefeiert und er wird über YouTube übertragen. Diese Gelegenheit nutzen wir, mit den Gläubigen über die Gefahr des Virus zu reden und sie zu bitten, den Abstand zu halten. Die Pfarrer in allen Pfarreien bemühen sich, den Menschen zu helfen.

Die Regierung im Bundesland Kerala macht eine tolle Arbeit, um den Menschen zu helfen. In unserem Bundesland bemüht sich die Regierung, einiges zu unternehmen. Die Zentralregierung in New Delhi könnte mehr tun. Die Nöte der Bürger werden nicht ernst genommen.

Die staatlichen Krankenhäuser sind weder mit Testlabors noch mit Beatmungsgeräten und anderen Mitteln ausgestattet. Ähnlich ist die Situation in Privatkrankenhäusern.

Seit einer Woche verbreitet sich das Virus in Indien und auch in unserem Bundesland Tamilnadu. In unserem Bezirk Kanyakumari District sind 6 Menschen positiv getestet und viele Menschen machen Quarantäne. Angst haben wir alle. Sollte sich das Virus ausbreiten und sich viele Menschen anstecken, dann gibt es hier bei uns eine Katastrophe. Nach offiziellen Angaben sind in ganz Indien 4789 Menschen infiziert und bereits 124 gestorben.

Die Ausgangsbeschränkungen dauern vorerst bis 14. April, aber es besteht die große Möglichkeit, sie zu verlängern. Wenn die Lage so anhält, könnte es sein, dass viele Menschen an Hungern leiden und sterben werden. Diesbezüglich haben wir Angst.

Wir haben die Hoffnung, dass die Menschen in Indien mit ihrer starken Abwehrfähigkeit die Ausbreitung des Virus unter der Kontrolle bringen können.

Die Diözese Kottar versucht jede Pfarrei zu aktivieren, die Armen über die Gefahr zu informieren und ihnen zu helfen, damit sie nicht verhungern müssen. Viele Pfarreien folgen dem Ruf des Bischofs und helfen. Es könnte die Notwendigkeit entstehen, dass die Diözese vielen Menschen helfen muss, aber der Diözese fehlen die Mittel.

Zurzeit ist die Mobilität sehr begrenzt. Aber wir müssen viel mobil sein, wenn sich das Virus ausbreiten sollte, um den Betroffenen zu helfen. Es fehlen uns entsprechende Wagen. Wir haben Hunderte von freiwilligen Leuten gefunden, die bereit sind mitzuhelfen, wenn die Notsituation entsteht.

Dankend denke ich an die große Hilfe von MIVA Österreich im letzten Jahr zurück. 15 unserer Priester konnten damals Motorräder ankaufen. Mit diesen Motorädern sind sie viel unterwegs, um den Menschen zu helfen.

Aloysius