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MIVA-Beispielland 2015

Das MIVA-Beispielland 2015 liegt im Nordwesten Lateinamerikas und heißt Peru. Es ist ein Land von großer landschaftlicher Schönheit, von den hohen Gipfeln der Anden bis hinab in den dichten peruanischen Regenwald. Mehr als achtzig Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch, was auf die von den spanischen Eroberern intensiv betriebene Missionierung zurückgeht. Vor allem waren es Franziskaner, Dominikaner aber auch Jesuiten, die sich für Mission und katholische Erziehung zur Verfügung stellten. Der massive Kontrollaufwand, der damals von den Konquistadoren betrieben wurde, konnte jedoch nicht verhindern, dass in der Bevölkerung auch alte Bräuche aus der Zeit vor dem Christentum erhalten blieben und mit katholischen Riten gemischt wurden.

Der Anteil der indigenen Bevölkerung ist in Peru – verglichen mit den meisten anderen Staaten Lateinamerikas – sehr hoch. Etwa 44 Prozent sind Mestizen, etwa 31 Prozent Indigenas. Neben Spanisch wird in den Dörfern daher Quechua und Aymará gesprochen.

Transnationale Treffen von Indigenas haben in ganz Lateinamerika zu einem neuen Selbstbewusstsein dieser seit der Eroberung an den Rand gedrängten Bevölkerungsgruppe geführt. Mit ihrer bescheidenen Lebensweise und ihrer Naturverbundenheit stellen sie die aktuelle Gier nach Reichtum und den rücksichtslosen Abbau von Ressourcen in Frage. Pacha Mama, die Mutter Erde ist ihnen heilig. Demonstrationen von Indigenas der nördlichen Region Camajarca gegen den geplanten Abbau von Gold, Silber und Kupfer in einem „Conga“ genannten riesigen Bergbau-Projekt sind in diesem Zusammenhang zu sehen.

Peru hat eine bewegte jüngere Geschichte hinter sich. Schon 1948 hatte General Manuel Odría den linken Präsidenten José Luis Bustamante y Rivero gestürzt. Nach einer Phase der Demokratisierung übernahm 1968 erneut eine Militärregierung die Macht. Sie wollte einen „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus etablieren, enteignete den Großgrundbesitz und überführte ihn in genossenschaftliches Eigentum – was allerdings am Protest der Dörfer im Hochland, denen das Land einst geraubt worden war, nichts ändern konnte. Die relativ fortschrittliche Politik (Quechua als zweite Amtssprache, Verstaatlichung der Rohstoffindustrie, Ausbau des Schulwesens) wurde abrupt beendet, als 1975 General Juan Velasco Alvarado von seinem militärischen Kollegen, General Francisco Morales Bermúdez, gestürzt wurde.

Unter einer zivilen Regierung setzte ab 1980 eine Demokratisierung ein – verbunden mit einer Rückführung staatlicher Betriebe in Privatbesitz und anderen konservativen Akzenten. Das begünstigte die Entstehung der linken Guerilla-Bewegung „Sendero Luminoso“ (Leuchtender Pfad), die bis in die Neunzigerjahre eine Blutspur durch das Land zog. 1990 gewann Alberto Fujimori gegen den auch in Österreich gelesenen Schriftsteller und Politiker Mario Vargas Llosa die Wahl. Mit aller Vehemenz ging Fujimori gegen den „Leuchtenden Pfad“ vor, was ihm Sympathien brachte. Allerdings bekämpfte der autokratische Präsident nicht minder gnadenlos auch Oppositionelle, die mit der Guerilla nichts zu tun hatten. Nach seiner Abwahl 2001 musste er sich vor Gericht verantworten und wurde wegen Menschenrechtsverletzungen zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Nach übereinstimmendem Urteil von Beobachtern steht die Demokratie in Peru heute noch auf wackeligen Beinen. Der Einfluss von Großgrundbesitzern im Hochland, die lange Zeit eine Oligarchie im Land gebildet hatten, ist nach wie vor beträchtlich. Dazu kommt eine Hand voll neuer ökonomischer Gruppen, die die Politik ebenso kräftig beeinflussen. In diesen turbulenten Zeiten versuchen kirchliche Organisationen wie die „Siervas del Plan de Dios“ nah bei den Menschen zu sein. Bedingt durch die starke Landflucht, lebt derzeit etwa ein Viertel der Peruanerinnen und Peruaner in der Hauptstadt Lima, was zu großen sozialen und ökonomischen Verwerfungen führt. Viel Arbeit ist zu tun, bis das Land einen tatsächlich „leuchtenden Pfad“ in die Zukunft findet.

„Siervas del Plan de Dios“ oder „Dienerinnen des Planes Gottes“ heißt eine Ordensgemeinschaft in Lima. Für viele Menschen ist sie zum Segen geworden. Denn die Schwestern haben es sich zur Aufgabe gemacht, schwache, kranke, arme und bedürftige Menschen zu betreuen. Sie unterrichten und betreuen junge Menschen mit körperlichen Handicaps. Kinder aus den ärmsten Familien werden unterrichtet und in Sozialprogrammen betreut. Für Familien, die in extremer Armut leben, haben die „Siervas“ ein Gesundheits- und Ernährungsprogramm gestartet.

Bisher leben die Schwestern ohne eigenes Auto. Zum Transport von Lebensmitteln oder Medikamenten müssen sie jedes Mal ein Fahrzeug mieten – was mit enormen Kosten verbunden ist. Die Sache ist klar: Die Dienerinnen des Planes Gottes brauchen ein Auto. Sie haben bei der MIVA um eine Teilfinanzierung angesucht.